PreisträgerInnen

2016:  Matthias Tschumi

2015:  Esther Schweizer & Manuel Frei

2014:  Alain Reymond

2013:  Benjamin Krämer

2012:  Philippa Maria Breyer

2011:  Christian Stärz

2010:  kein Preisträger

2009:  Sonja Wessel

2008:  Veronika Braunisch

2007:  Cosima Tegetmeyer

2006:  Dr. Felix Schläpfer & Pieter-Jan Witzig

2005:  Tobias Plieninger

2004:  Xenia Junge

2003:  Rita Bütler Sauvain

PreisträgerInnen

 

Forschungspreis 2016

Der diesjährige Preis wird an Matthias Tschumi von der Forschungsanstalt Agroscope Zürich und der Uni Koblenz-Landau verliehen. Ausgezeichnet wird er für seine Dissertation über die Wirkung von Blühstreifen auf Ackerkulturen. Artenreiche, mehrjährige Wildblumenstreifen fördern nachweislich die Biodiversität im Ackerland. Ein Beispiel sind die in der Schweiz bereits etablierten Buntbrachen. Sie werden primär zur Förderung der Biodiversität angelegt. Matthias Tschumi zeigt nun, dass sie auch die biologische Schädlingskontrolle in benachbarten, nicht mit Insektiziden behandelten Getreidekulturen (Winterweizen) stark verbessern. So wurden nahe der Wildblumenstreifen die Bestände des Getreidehähnchens, eines sehr schädlichen Blattkäfers, um beeindruckende 66 % (Larven) reduziert. Die Schäden an den Kulturpflanzen selber verringerten sich dadurch um 40 %. Besonders bemerkenswert ist letztlich die damit verbundene Ertragssteigerung. Im direkt an den Streifen angrenzenden Bereich von 10 m beträgt sie satte 10%.

Aufgrund seiner Beobachtungen vermutete Matthias Tschumi, dass die Blütenressourcen der Schlüsselfaktor für die gemessenen Effekte sind. Um diese Hypothese zu testen, untersuchte er im Laborexperiment drei Nützlingsarten: eine Schwebfliege, eine Brackwespe und eine Florfliege, allesamt Feinde von Blattläusen. Tatsächlich liess sich zeigen, dass sich die angebotenen Blüten – im Vergleich zum blossen Angebot von Zucker und Wasser – positiv auf die Nützlinge auswirken. Dies traf insbesondere dann zu, wenn Mischungen von verschiedenen Pflanzenarten geboten wurden. Schliesslich wurden die Erkenntnisse aus diesen Experimenten genutzt, um massgeschneiderte einjährige Blühstreifen mit rund 10 Pflanzenarten zu entwickeln. Die Auswahl wurde darauf ausgelegt, die biologische Schädlingskontrolle in Winterweizenäckern und in Kartoffelkulturen zu maximieren. Tatsächlich konnten in den Feldversuchen markante Verbesserungen erzielt werden. Beim Getreide wurden die Pflanzenschäden durch das Getreidehähnchen um 40 bis 61% reduziert. Bei der Kartoffel verringerte sich der Blattlausbefall um 77%. Positiv war zudem, dass sich die Wirkung nicht auf die unmittelbare Nachbarschaft zu den Blühstreifen beschränkte, und dass die Schadschwelle für den Einsatz von Insektiziden oft gar nicht erreicht wurde. Dank der biologischen Schädlingskontrolle lassen sich also Spritzmittel einsparen.

Die Ergebnisse von Matthias Tschumi sind wegweisend. Die Preisjury ist überzeugt, dass die Siegerarbeit mit ihren soliden Forschungsresultaten neue Impulse für die biologische Schädlingskontrolle setzen wird. Der Preisträger liefert zudem neue Argumente für den Einsatz der bewährten Buntbrachen, die aus Sicht der Biodiversitätsförderung besonders erwünscht sind.

Zusammenfassung der Arbeit




Forschungspreis 2015

Der zwölfte H&W-Forschungspreis für Naturschutz wird gemeinsam an Esther Schweizer und Manuel Frei verliehen. Die Preisträger haben sich in zwei aufeinander abgestimmten Arbeiten zum Ziel gesetzt, zu klären, ob und wie die national stark gefährdete Kreuzkröte im landwirtschaftlich stark genutzten oberen Suhrental überleben kann. Das Gebiet beherbergt überraschend hohe Bestände der Kreuzkröte, obwohl Kiesgruben, die andernorts als Lebensraum klar bevorzugt werden, im Untersuchungsraum eine geringere Bedeutung aufweisen. Das Suhrental wurde als Fallbeispiel für ähnlich ausgestattete Schweizer Landschaften untersucht.

Esther Schweizer hat im Rahmen ihres Bachelors an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit einer Telemetriestudie das räumliche Verhalten der Kreuzkröte im Detail erforscht. Sie konnte anhand von 50 adulten besenderten Kreuzkröten bestätigen, dass sich die Art ganzjährig im Landwirtschaftsgebiet aufhält und dabei sowohl Grün- wie auch Ackerland nutzt. Sie konnte ferner zeigen, dass Laichgewässer, Sommerlebensraum und Winterstandort weit auseinander liegen; in drei Fällen wurden Wanderungen von mehr als 1 km registriert. Als Tagesverstecke konnte sie Feldmausgänge, Erdspalten, Bodensenken und Grasbüschel identifizieren, welche offenbar immer in unmittelbarer Nähe zum Ort der nächtlichen Nahrungssuche liegen. Die Habitate hingegen werden hin und wieder gewechselt. Im Sommer graben sich die Tiere in Äckern bis zu 30 cm tief ein, und zur Überwinterung werden besonders gerne sonnige Böschungen mit tiefen Mäusegängen aufgesucht. Erfreulicherweise, aber auch überraschend, konnte unter den besenderten Tieren kein einziger Todesfall infolge der landwirtschaftlichen Nutzung festgestellt werden.

Zusammenfassung der Arbeit (nur in Englisch)

Manuel Frei hat im Rahmen seiner Masterarbeit an der ETH Zürich und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL mittels genetischer Methoden die Populationsstruktur und Vernetzung der Laichgewässer erforscht. Anhand des genetischen Fingerabdrucks von 266 erwachsenen Kröten konnte er feststellen, dass die Population des oberen Suhrentals genetisch gut durchmischt ist und dass keines der 11 Vorkommen genetisch isoliert ist. Er konnte auch belegen, dass die Kröten regelmässig zwischen den einzelnen Vorkommen wandern und einzelne Tiere dabei Strecken bis zu 4 km überwinden. Hierbei werden grosse Strassen wie auch die kanalisierte Suhre überquert. Bei der landschaftsgenetischen Analyse hat sich nur der Wald als Barriere herausgestellt, ansonsten scheinen sich die Kreuzkröten im Suhrental weiträumig bewegen zu können.

Zusammenfassung der Arbeit (nur in Englisch)

Die in den beiden Arbeiten angewendeten Methoden haben sich für die Beantwortung der gestellten Forschungsfrage optimal ergänzt und haben ein Maximum an Information geliefert. Für den praktischen Naturschutz in intensiv landwirtschaftlich genutzten Räumen sind die Ergebnisse ermutigend: Auch wenn es an Hotspots in Form von vielfältigen Grubenlebensräumen mangelt, lohnt es sich, eine so anspruchsvolle und gefährdete Art wie die Kreuzkröte mit gezielten Massnah­men im Landwirschaftsgebiet zu fördern. Neu angelegte Laichgewässer und zusätzliche Tagesverstecke stärken die Populationen. Die Befürchtung, dass sich die Gewässer als ökologische Fallen entpuppen, wurde in den vorliegenden Arbeiten zum Glück nicht bestätigt.



Forschungspreis 2014

Der elfte Hintermann & Weber-Forschungspreis für Naturschutzschutz geht an Alain Reymond vom Departement für Ökologie und Evolution der Universität Lausanne. Der Preisträger hat in seiner Masterarbeit die Ökologie und den Schutz des gesamtschweizerisch gefährdeten Blauschillernden Feuerfalters (Lycaena helle) untersucht. Die Arbeit unterstreicht beispielhaft, dass es wichtig ist, bei der Analyse der Lebensraumansprüche einer Art eine breite Palette möglicher Faktoren zu berücksichtigen. So konnte er eine überraschend grosse Bedeutung von Gehölzstrukturen belegen, die Windschutz und Ruheplätze bieten, während sich das Angebot der Raupen-Nahrungspflanze als vergleichsweise unbedeutend erwies. Alain Reymond rundet seine Arbeit damit ab, konkrete und praxistaugliche Fördermassnahmen für die national prioritäre Art abzuleiten.

Alain Reymond hat den Blauschillernden Feuerfalter im Valleé de Joux untersucht. Die seltene Art bewohnt Feuchtgebiete mit Beständen des Schlangen-Knöterichs (Polygonum bistorta), von dem sich seine Raupe ernährt. An zwölf Stellen hat er mehr als 500 Falter gefangen und individuell auf den Hinterflügeln markiert. Aus der Wiederfangrate (ca. 12 %) konnte er je Gebiet die Entdeckungswahrscheinlichkeit und die tatsächliche Bestandesgrösse abschätzen. Ferner konnte er die Ausbreitungsdistanzen ermitteln. In einem Fall wurde eine Rekorddistanz von 1250 m überwunden, über ein Waldstück, eine Wiese, Siedlungsgebiet und einen Fluss hinweg.

Im nächsten Schritt erfasste der Preisträger verschiedene Lebensraumparameter und analysierte ihren Einfluss auf die ermittelten Bestandesgrössen. Er konnte klar aufzeigen, welche Eigenschaften des Lebensraums für diese national prioritäre Art entscheidend sind. Als erstaunlich wichtig erwies sich hierbei das Angebot an Gehölzstrukturen, die an die Knöterichbestände angrenzen. Diese schützen die Larvallebensräume vermutlich vor Wind und bieten Ruheplätze für die Falter. Die Bestandesgrössen liessen sich alleine durch diesen Faktor zu einem beträchtlichen Teil erklären. Weitere wichtige Faktoren waren die Distanz zwischen den Teillebensräumen und die Lebensraumgrösse. Demgegenüber war das Angebot der Raupen-Nahrungspflanze für sich alleine vernachlässigbar resp. nur in Kombination mit anderen Faktoren von Bedeutung.

Schliesslich konnte auf der Basis der beobachteten Ausbreitungsdistanzen und Populationsgrössen mittels eines Metapopulationsmodells (Hanski & Ovaskainen, 2000) demonstriert werden, mit welchen Massnahmen eine vitale Population erhalten werden kann (z.B. Aufwerten bestehender vs. Errichten neuer Lebensräume). Es hat sich gezeigt, dass es nicht immer sinnvoll ist, Subpopulationen zu vernetzen. In manchen Fällen wäre der dafür notwendige Aufwand einfach zu gross.

Zusammenfassung der Arbeit (nur in Französisch)



Forschungspreis 2013

Der zehnte H&W-Forschungspreis für Naturschutz geht an Benjamin Krämer vom Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster. Der Preisträger hat seine Diplomarbeit der Landschaftsökologie von Schmetterlingen auf Buckelwiesen in Südbayern gewidmet. «Buckelwiesen» sind ein weitgehend auf die Nördlichen Kalkalpen beschränkter, seltener Kalkmagerrasentyp, der sich durch ein Mikrorelief aus Buckeln und Mulden auszeichnet und für seine hohe Artenvielfalt bekannt ist. Die Arbeit von Benjamin Krämer ist wegweisend für den Erhalt des seltenen Lebensraums und seiner Tagfalterfauna und gibt darüber hinaus wertvolle und zum Teil überraschende Impulse für die Förderung gefährdeter Schmetterlingsarten.

Die Ergebnisse seiner Untersuchung belegen die hohe Bedeutung der Habitatqualität: Während die Flächengrösse und die Durchgängigkeit der umgebenden Landschaft keinen Einfluss auf die Artenzahl und die Dichte der Schmetterlinge hatten, war das Angebot an Wirts- und Nektarpflanzen entscheidend. Hinzu kommt: Wald im Umkreis der Falterlebensräume hatte einen positiven Einfluss auf die Artenzahl an Habitatspezialisten. Der Autor interpretiert das Ergebnis dahingehend, dass der Wald als Barriere wirkt, die ein Abwandern von Faltern verhindert. Das intensiver genutzte Grünland hingegen hat als «Senke» einen negativen Einfluss.

Offensichtlich haben Landschaftseffekte in Gebieten mit hoher Dichte an Habitaten und ge­ringem Fragmentierungsgrad eine geringere Bedeutung, als in der Studie erwartet wurde. Dieses scheinbar unspektakuläre Ergebnis ist von grosser Bedeutung. Etwas salopp formuliert dürfen grosse, intakte Lebensräume sich selber überlassen werden. Sie sind nicht prioritär zu vernetzen, sondern vordringlich muss der Habitatqualität Sorge getragen werden.

Für den Erhalt des artenreichen Lebensraumes, der von der Aufgabe der traditionellen Mahd gefährdet ist, macht der Autor konkrete Vorschläge. Er postuliert eine alternative Nutzung, die geeignet ist, einen Grossteil der heutigen Schmetterlingsfauna zu bewahren: Eine Kombination von beweideten Flächen und solchen, die nur jedes zweite Jahr geschnitten werden. Ein derartiges Regime lässt sich einfacher mit der heutigen Landwirtschaft vereinbaren.

Zusammenfassung der Arbeit



Forschungspreis 2012

Der neunte H&W-Forschungspreis für Naturschutz geht an Philippa Maria Breyer von der Universität Koblenz-Landau. In ihrer Masterarbeit hat sie den Einfluss der Gewässerstrukturgüte von Fliessgewässern auf die ökologische Qualität untersucht. Anlass dazu gab die Erkenntnis, dass viele kleinräumige Revitalisierungsmassnahmen nicht die erhoffte Verbesserung bei der Tierwelt erbrachten.

Die Preisträgerin konnte erstmals zeigen, dass die lokale Strukturgüte die ökologische Qualität nicht in dem Mass zu beeinflussen vermag, wie bisher angenommen: Die Vielfalt der Gewässertiere, die von ihr mit einer ähnlich Methode erfasst wurde wie das in der Schweiz verwendete «Modul IBCH», wird überwiegend vom grösserräumigen Strukturangebot bestimmt, unabhängig von der lokalen Strukturgüte. Das Ergebnis interpretiert sie als Folge von «source-sink»-Prozessen auf regionaler Skala: Ist die regionale Makrozoobenthos-Gemeinschaft verarmt, können die lokal vorhandenen Strukturen nicht besiedelt werden.

Für die Praxis der Gewässerrevitalisierung muss die Strukturgüte deshalb auf einer grösseren räumlichen Skala betrachtet werden als die Massnahme selbst. Bei schlechter regionaler Strukturgüte können Renaturierungen nur begrenzt Verbesserungen bei der Ökologie erwirken. Insbesondere sind Trittsteine – kurze Abschnitte hoher Strukturvielfalt – nur bei einer ausreichenden regionalen Strukturgüte zu empfehlen.

Zusammenfassung der Arbeit



Forschungspreis 2011

Der achte H&W-Forschungspreis für Naturschutz geht 2011 an Christian Stärz vom Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster. In seiner Masterarbeit unter dem Titel «Feuer – (k)eine Chance für die Gottesanbeterin?» hat er die Populations- und Larvalökologie der gefährdeten Fangschrecke auf Rebböschungen am Kaiserstuhl (D) erforscht.

Nebst zahlreichen weiteren Fragen richtet er ein besonderes Augenmerk auf die Auswirkungen des winterlichen Flämmens, einer früher häufig praktizierten Form der Böschungspflege. Der Preisträger zeigt, dass die Gottesanbeterin als weitgehend «feuerresistent» bezeichnet werden kann. Die Eigelege verbrennen zwar teilweise und es schlüpfen daraus auch weniger Larven, doch die geflämmten Flächen weisen im Folgejahr höhere Individuen- und Kokondichten auf als brach belassene Böschungen. Dank der Beseitigung der Streuedecke bieten die Flächen offenbar bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Und Flächen mit Totalverlust werden von den Larven rasch wieder besiedelt.

Ob das kontrollierte winterliche Abbrennen als kostengünstiges Instrument des Naturschutzes unter Auflagen wieder zugelassen werden soll, wird derzeit vor allem in Deutschland, aber auch in den Niederlanden und Dänemark diskutiert. Die Forschungsresultate von Christian Stärz leisten einen wertvollen Beitrag dazu. Zusammen mit Ergebnissen anderer Studien kommen die Forscher der Uni Münster zum Schluss, dass für den Kaiserstuhl das Flämmen nach definierten Regeln (Abbrennen von unten nach oben, räumliches und zeitliches Mosaik) vertretbar ist und zum gewünschten Ziel führt. Wärmebegünstigte Lebensräume, die andernfalls durch Nutzungsaufgabe und Sukzession zu verschwinden drohen, können so erhalten werden. In der Schweiz ist das flächenhafte Abbrennen derzeit kein Thema; es ist gesetzlich untersagt.

Zusammenfassung der Arbeit


Download Bilder:
Landschaft Kaiserstuhl
Brand
Männliche Gottesanbeterin
Weibliche Gottesanbeterin
Eigelege (Oothek)

 


Forschungspreis 2010

Nach langer Diskussion hat die Jury des Hintermann & Weber-Forschungspreises entschieden, den Preis 2010 nicht zu vergeben.

Unter den diesjährigen Kandidaturen befanden sich einige hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, nicht zuletzt auch belegt durch Publikationen in guten Zeitschriften. Dennoch konnten wir unter den eingereichten Arbeiten keine eruieren, die unsere Vergabekriterien ausreichend erfüllt. Wir beurteilten die Arbeiten entweder als für den Natur- und Landschaftsschutz nicht genügend praxisrelevant oder konnten nicht in der gewünschten Weise Lösungen eines Naturschutzproblems resp. neue Wege für den Naturschutz erkennen. Wir sind auf Arbeiten gestossen, die zweifelsohne einen Preis verdienen, doch nicht in der von uns abgedeckten Sparte.

Das Preisgeld von Fr. 5000.- spendeten wir an Pro Natura für einen Landkauf in Eggiwil BE. Das Moorgebiet Steimösli kann nun gesichert und regeneriert werden.

 


 

Forschungspreis 2009

2009 geht der mit 5000 Franken dotierte Preis an Sonja Wessel vom Institut für Bauingenieurwesen der Universität Hannover. Die Preisträgerin hat in ihrer Masterarbeit den Einfluss des Klimawandels auf das Abflussverhalten alpiner Fliessgewässer untersucht. Sie handelt ein politisch brisantes Thema umfassend ab und identifiziert Schwachstellen der heutigen Praxis bei der Konzessionierung von Wasserkraftanlagen. Ihre Erkenntnisse sind im Zusammenhang mit der Restwasser-Problematik brisant und werden künftig zu diskutieren geben.

Die nach einer Wasserentnahme im genutzten Fliessgewässer verbleibende Restwassermenge ist für die Flora und Fauna ein entscheidender Faktor. Seit 1991 sind aus diesem Grund im Gewässerschutzgesetz Mindestrestwassermengen festgeschrieben. Sonja Wessel hat im Rahmen ihrer Masterarbeit die Probleme analysiert, die sich beim Bestimmen der Restwassermengen stellen. Im Zentrum ihrer Arbeit stand aber der Einfluss des Klimawandels auf das Abflussverhalten. Die drei Walliser Flüsse Rotten, Saltina und Lonza dienten ihr als Modellgewässer.

Die Analysen und Modellrechnungen der Preisträgerin zeigen klar, dass sich die natürlichen Abflussmengen innert Jahrzehnten so stark verändern, dass die aktuelle Praxis beim Erteilen von Konzessionen für Wasserkraftwerke und beim Festlegen der Restwassermengen zu überdenken ist. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es dabei eine grosse Rolle spielt, wie stark das Einzugsgebiet eines Flusses vergletschert ist. Auch den jahreszeitlichen Pegelschwankungen muss künftig besser Rechnung getragen werden, um für das Ökosystem Fliessgewässer tragbare Lösungen zu finden. Die Preisträgerin fordert, dass die gesetzlichen Mindestrestwassermengen nicht erst nach 80 Jahren, sondern bereits nach 20 bis 30 Jahren zu überprüfen und an die in diesem Zeitraum veränderten Rahmenbedingungen anzupassen sind. Bei künftigen Diskussionen um die Restrestwassermengen wird man nicht darum herumkommen, die Arbeit von Sonja Wessel zu berücksichtigen.

Zusammenfassung der Arbeit

 


 

Forschungspreis 2008

2008 geht der mit 5000 Franken dotierte Preis an Veronika Braunisch von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. In ihrer Dissertation erarbeitete die Preisträgerin ein praxistaugliches Habitat- und Dispersionsmodell für das Auerhuhn im Schwarzwald. Auf sehr elegante Weise entwickelte sie aus vorhandenen Datengrundlagen ein wertvolles Naturschutz-Werkzeug.

Der Forschungspreis 2008 geht an Veronika Braunisch von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg i. Brsg. Die Jury prämiert ihre aus fünf wissenschaftlichen Publikationen und zwei populärwissenschaftlichen Artikeln aufgebaute Dissertation über das Auerhuhn im Schwarzwald. Ziel ihrer Arbeit war, die Faktoren zu ermitteln, die Habitatqualität, Habitatselektion und Ausbreitung bestimmen. Daraus sollten die Flächen identifiziert werden, die für den Erhalt der gefährdeten Art notwendig sind. Im Zentrum der Modellierung stand die Lokalisierung von Lebensraum-Potentialflächen, in denen geeignete Habitatbedingungen geschaffen und langfristig sichergestellt werden können. Hierbei wurde den Standorts- und Bodenbedingungen besondere Beachtung geschenkt. Das entwickelte Modell konnte die tatsächliche Verbreitung des Auerhuhns sehr gut voraussagen.

Besonders angetan war die Jury vom Kapitel, in dem die Verbundbereiche zwischen den Auerhuhn-Teilpopulationen herausgearbeitet werden. Hierzu wurde das räumliche Ausbreitungsmuster aus der genetischen Struktur der Population abgeleitet, ausgehend von Federproben von 213 Auerhühnern. Die Verwandtschaft zwischen den Individuen wurde in einem Modell mit den dazwischen liegenden geographischen Distanzen und Landschaftsstrukturen korreliert. Hieraus liessen sich jene Faktoren ableiten, welche sich positiv resp. negativ auf den genetischen Austausch zwischen den Teilpopulationen auswirken.

Im letzten Teil der Arbeit führte Frau Braunisch ihre Ergebnisse in einem grossräumigen Konzept zusammen, das die prioritären Lebensräume, Korridore und Trittsteinbiotope ausweist und die wichtigen Massnahmen bezeichnet. Das Konzept wird gegenwärtig im Rahmen des schwarzwaldweiten «Aktionsplan Auerhuhn» umgesetzt.

Zusammenfassung der Arbeit

 


Forschungspreis 2007

2007 geht der mit 5000 Franken dotierte Preis an Cosima Tegetmeyer von der Uni Greifswald. Unter siebzehn eingereichten Arbeiten hat sich die Jury für ihre Diplomarbeit über die Lebensraumansprüche des weltweit bedrohten Seggenrohrsängers entschieden. Der Preis wird nun schon zum dritten Mal an eine Wissenschaftlerin und zum dritten Mal nach Deutschland verliehen.

Der diesjährige Forschungspreis geht an Cosima Tegetmeyer vom Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Sie hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit den weltweit gefährdeten Seggenrohrsänger im «Rozwarowo-Moor» an der deutschpolnischen Grenze erforscht. Namentlich hat sie die Einflussfaktoren untersucht, welche zu geeigneten Bedingungen von Vegetation und Wasserstand führen und dem seltenen Vogel die Brut ermöglichen. Die Produktion von Schilf («Rohrwerbung») für die Dachdeckerei ist im Untersuchungsgebiet von wirtschaftlicher Bedeutung. Im Zentrum der Arbeit steht deshalb die Frage, ob die Rohrwerbung mit den Ansprüchen des Seggenrohrsängers vereinbar ist.

Die Preisträgerin kommt zum Schluss, dass die Schilfproduktion sogar etwas zum Schutz des Rohrsängers beitragen kann, sofern auf den von ihm besiedelten Flächen auf einen zu hohen Wassereinstau verzichtet wird. Die Landschaftsökologin definiert die Minimalanforderungen und zeigt Möglichkeiten auf, wie der Lebensraum des Seggenrohrsängers verbessert werden kann und gleichsam Produktionseinbussen der Rohrwerber vermieden werden. Die Erkenntnisse und Lösungsvorschläge der Preisträgerin fliessen derzeit in ein seit 2005 laufendes EU-LIFE Projekt ein, das zum Ziel hat, die Population des Seggenrohrsängers zu stärken und 1500 ha neue Bruthabitate zu schaffen. Für die geplante Fortsetzung der Forschungsarbeit von Cosima Tegetmeyer im afrikanischen Winterquartier des Rohrsängers kommt das Preisgeld wie gerufen.

Zusammenfassung der Arbeit

 



Forschungspreis 2006

Der vierte H&W-Forschungspreis geht an Dr. Felix Schläpfer und Pieter-Jan Witzig vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich. Unter sechzehn eingereichten Arbeiten hat sich die Jury für ihre Untersuchung über die Akzeptanz von Flussrevitalisierungen in der Bevölkerung des Kantons Bern entschieden.

Die Studie analysiert das Abstimmungsverhalten der Stimmbürger bei der 1997 angenommenen Initiative «für einen Renaturierungsfonds im Wassernutzungsgesetz». Untersucht wird der Einfluss verschiedener Faktoren auf die aggregierten Abstimmungsergebnisse für die einzelnen Gemeinden, darunter die Bevölkerungsdichte und das mittlere Einkommen der Gemeinden, georeferenzierte ökomorphologische Merkmale der lokalen Fliessgewässer als Mass für ihre Natürlichkeit oder das Auftreten von Überschwemmungsereignissen. Die beiden Autoren zeigen, dass die Zustimmung bei hoher Bevölkerungsdichte und grösserem Einkommen anstieg, in Regionen mit mehr naturnahen Fliessgewässern dagegen sank.

Die Resultate weisen darauf hin, dass das Abstimmungsverhalten stark vom individuellen Nutzen geprägt ist, den die lokale Bevölkerung aus dem Allgemeingut «Fliessgewässer» ziehen kann. Diese und andere Ergebnisse sind von besonderem Interesse, wenn es darum geht, Umwelt- und Naturschutzanliegen zu propagieren und zu finanzieren. Beispielsweise müsste eine zielführende Abstimmungskampagne berücksichtigen, dass die Stimmbürger die Vor- und Nachteile eines Projekts je nach den lokalen Verhältnissen unterschiedlich bewerten.

Bedeutend könnten die Erkenntnisse bereits vor dem Hintergrund der im Juli eingereichten Volksinitiative «Lebendiges Wasser» sein. Die vom Schweizerischen Fischerei-Verband lancierte Initiative fordert die Sanierung und Renaturierung beeinträchtigter Fliessgewässer sowie ausreichende Restwassermengen.

Zusammenfassung der Arbeit

 


Forschungspreis 2005

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum hat das Umweltberatungsbüro Hintermann & Weber AG 2003 einen jährlich verliehenen Preis für praxisbezogene Naturschutz-Forschung ins Leben gerufen. 2005 geht der mit 5000 Franken dotierte Preis an Tobias Plieninger von der Universität Freiburg i. Brsg. In seiner hervorragenden Dissertation über die beweideten Steineichenbestände der spanischen Dehesas korrigiert er die Vorstellung eines nachhaltigen agroforstwirtschaftlichen Nutzungssystems und zeigt umsetzungsreife Wege auf, die wertvolle Landschaft zu erhalten.

Tobias Plieninger hat im Rahmen seiner Dissertation am Beispiel einer typischen Dehesa-Region die Landschaftsgeschichte, die Entwicklung der Steineichenbestände sowie die Altersstruktur und die Verjüngung der Steineiche untersucht. Zudem hat er den Einfluss von ökologischen Standortfaktoren und der Landnutzung analysiert, um eine Strategie zu entwickeln, die Steineichenbestände langfristig zu erhalten. Seine Dissertation unter dem Titel «Built to last? Land-use history, ecological determinants, and land manager perspectives of regeneration of holm oak (Quercus ilex) dehesas» setzt sich aus sechs hervorragenden Einzelstudien resp. Publikationen zusammen.

Von besonderem Interesse ist die Erkenntnis, dass das agroforstwirtschaftliche Nutzungssystem der Dehesas alles andere als nachhaltig ist. Die meisten Bäume sind Relikte aus der Entstehungszeit dieser Landschaft, als der Hartlaubwald und das Buschland gerodet wurden. Da sich historisch unter den Bedingungen von systematischer Beweidung und Ackerbau keine Techniken der Verjüngung der Steineiche entwickelt hatten, bestehen heute die bekannten «Verjüngungsprobleme». Der von Plieninger propagierte Ausweg besteht darin, die Naturverjüngung durch Einrichten eines rotierenden Systems kleiner, über ca. 25 Jahre nicht genutzter Flächen zu reaktivieren. Die Erkenntnisse und Lösungsansätze in Plieningers Arbeit geben auch wichtige Impulse für die Erhaltung mitteleuropäischer Agroforstwirtschaftssysteme, namentlich der Wytweiden resp. pâturages boisés im Jura. Auch diese Nutzungsform funktioniert nur «nachhaltig», wenn zwischen Bewirtschaftung und natürlicher Entwicklung eine Balance besteht. Heute aber geht die Entwicklung in Richtung einer Entmischung von Wald und Weide: Ein Teil der Weiden wird nicht mehr genutzt und verwaldet, ein anderer wird so intensiv bestossen, dass keine jungen Bäume mehr aufkommen können.

Zusammenfassung der Arbeit

 


Forschungspreis 2004

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum hat das Ökobüro Hintermann & Weber AG 2003 einen Preis für praktische Naturschutz-Forschung ins Leben gerufen. 2004 geht der mit 5000 Franken dotierte Preis an Xenia Junge vom Institut für Umweltwissenschaften der Uni Zürich und von der Philipps-Universität Marburg.

Die Biologin hat in ihrer Diplomarbeit die Wahrnehmung und Wertschätzung pflanzlicher Biodiversität durch die Bevölkerung untersucht. Sie hat festgestellt, dass Menschen artenreichere von artenärmerer Vegetation grundsätzlich unterscheiden können und dass hoher Artenreichtum auch von Laien positiv bewertet wird. Sie hat aber auch aufgezeigt, dass in der Bevölkerung beträchtliche Wahrnehmungsschwächen hinsichtlich Artenvielfalt bestehen. Die Untersuchung zeichnet sich durch eine präzise Fragestellung, ein sauberes experimentelles Design und eine intelligente Befragung von Testpersonen aus.

Die Arbeit ist ein wertvoller Beitrag zur politischen Argumentation im Naturschutz. Bisher war kaum bekannt, inwiefern Menschen in der Lage sind, artenreiche Lebensräume zu erkennen. Es konnte auch noch nicht sauber belegt werden, was viele schon geahnt hatten: dass biologische Vielfalt ästhetisch höher gewertet wird. Die prämierte Arbeit ist relevant für den Naturschutz, denn sie liefert gesicherte Erkenntnisse..

Zusammenfassung der Arbeit

 


Forschungspreis 2003

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum hat das Ökobüro Hintermann & Weber AG erstmals einen Preis für praktische Naturschutz-Forschung verliehen: Die Preissumme von 5000 Franken geht an Rita Bütler Sauvain von der ETH Lausanne. Die Biologin hat eine elegante Methode entwickelt, wie der Totholzanteil von Wäldern zu bestimmen ist.

Die Jury hatte unter 31 eingereichten Arbeiten auszuwählen. Ausschlaggebend für die Wahl der Preisträgerin war ihr Mut zur Formulierung einer klaren, gut begründeten und umsetzbaren Zielvorgabe für den Totholzanteil im Wirtschaftswald. Zugleich hat Rita Bütler Sauvain eine rationelle Methode zur Erfassung des Totholzanteils im Fichtenwald per Infrarot-Satellitenbilder entwickelt.

Totholz ist ein bedeutender Indikator für Artenvielfalt im Ökosystem Wald. Zahllose Insekten, Vögel, Pilze und Flechten hängen ganz oder teilweise von toten Bäumen ab. Um die biologische Vielfalt zu fördern muss eine moderne, nach haltige Waldwirtschaft – ausser für gesunde Bäume – auch für genügend Totholz sorgen. Unberührte Urwälder erreichen einen Totholzanteil von gegen 30 Prozent. Bütler Sauvain kommt in ihrer ausgezeichneten Arbeit zum Schluss, dass im Wirtschaftswald ein Anteil von 5 Prozent an toten Bäumen ausreicht, um die Artenvielfalt zu erhalten.

Zusammenfassung der Arbeit