Forschungspreis
2005
Zu seinem 20-jährigen Jubiläum hat das Umweltberatungsbüro Hintermann & Weber AG 2003 einen jährlich verliehenen Preis für praxisbezogene Naturschutz-Forschung ins Leben gerufen. 2005 geht der mit 5000 Franken dotierte Preis an Tobias Plieninger von der Universität Freiburg i. Brsg. In seiner hervorragenden Dissertation über die beweideten Steineichenbestände der spanischen Dehesas korrigiert er die Vorstellung eines nachhaltigen agroforstwirtschaftlichen Nutzungssystems und zeigt umsetzungsreife Wege auf, die wertvolle Landschaft zu erhalten.
Tobias Plieninger hat im Rahmen seiner Dissertation am Beispiel einer typischen Dehesa-Region die Landschaftsgeschichte, die Entwicklung der Steineichenbestände sowie die Altersstruktur und die Verjüngung der Steineiche untersucht. Zudem hat er den Einfluss von ökologischen Standortfaktoren und der Landnutzung analysiert, um eine Strategie zu entwickeln, die Steineichenbestände langfristig zu erhalten. Seine Dissertation unter dem Titel «Built to last? Land-use history, ecological determinants, and land manager perspectives of regeneration of holm oak (Quercus ilex) dehesas» setzt sich aus sechs hervorragenden Einzelstudien resp. Publikationen zusammen.
Von besonderem Interesse ist die Erkenntnis, dass das agroforstwirtschaftliche Nutzungssystem der Dehesas alles andere als nachhaltig ist. Die meisten Bäume sind Relikte aus der Entstehungszeit dieser Landschaft, als der Hartlaubwald und das Buschland gerodet wurden. Da sich historisch unter den Bedingungen von systematischer Beweidung und Ackerbau keine Techniken der Verjüngung der Steineiche entwickelt hatten, bestehen heute die bekannten «Verjüngungsprobleme». Der von Plieninger propagierte Ausweg besteht darin, die Naturverjüngung durch Einrichten eines rotierenden Systems kleiner, über ca. 25 Jahre nicht genutzter Flächen zu reaktivieren. Die Erkenntnisse und Lösungsansätze in Plieningers Arbeit geben auch wichtige Impulse für die Erhaltung mitteleuropäischer Agroforstwirtschaftssysteme, namentlich der Wytweiden resp. pâturages boisés im Jura. Auch diese Nutzungsform funktioniert nur «nachhaltig», wenn zwischen Bewirtschaftung und natürlicher Entwicklung eine Balance besteht. Heute aber geht die Entwicklung in Richtung einer Entmischung von Wald und Weide: Ein Teil der Weiden wird nicht mehr genutzt und verwaldet, ein anderer wird so intensiv bestossen, dass keine jungen Bäume mehr aufkommen können.
Zusammenfassung der
Arbeit
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