Was war heute deine erste Aufgabe? 

Heute war ich in Allschwil-Binningen. Als erstes ging ich zum Forstdienst um mich über die Einhaltung des Feuerverbots im Gebiet zu erkundigen. Dann habe ich nachgelesen, was meine Mitarbeitenden in der Woche vorher erlebt haben, da ich seit Juni nicht mehr vor Ort war. Anschliessend habe ich das Fahrrad geschnappt und das Material gesattelt. Ich ging relativ spät los, um 10.00, um bis zum Mittag alle Feuerplätze auf das wegen der Trockenheit laufende Feuerverbot zu kontrollieren und auch um am Abend präsent zu sein. Es gab kein einziges Feuer, das Verbot wurde eingehalten. Am Sonntag jedoch gab es im Landschaftspark Wiese trotz des aktuellen Feuerverbots 12 Feuer.

 

Was ist eure Hauptaufgabe? 

Die Leute zu informieren und sensibilisieren. Dies findet grösstenteils im Rahmen von Einzelgesprächen statt, wobei bei zwei Dritteln kein Verstoss vorliegt. Das kann aber auch mit Info-Tischen zu einem spezifischen Thema sein oder durch private und öffentliche Führungen. Die Führungen sind sehr unterschiedlich, da sie von Schulklassen, Privaten oder Fachpublikum besucht werden. Beim Naturschutzdienst Baselland und im Landschaftspark Wiese betreuen wir auch Junior-Rangergruppen für Kinder ab 7 Jahren und führen Erlebnistage mit Ständen und Angeboten für Schulen durch. Auch Info-Tafeln und Social Media werden zur Information der Leute eingesetzt.

Infotisch LPW Kristoff Meller Kopie
Baden an der Wiese Kopie

Wie arbeitet ihr mit kantonalen Fachstellen zusammen? 

Schnittpunkte haben wir vor allem mit dem Amt für Wild und Wald, den Fachstellen Natur, dem Forstdienst, mit der Wildhut, der Jagd- und Fischereiaufsicht. Beispielsweise hat im Landschaftspark Wiese der Fischereiaufseher die Schilder mit dem aktuell laufenden Badeverbot aufgestellt. Die Kontrolle des Verbots führen wir in enger Absprache mit der Fischereiaufsicht durch. Im Landschaftspark Wiese sind wir wie eine Drehscheibe: viele Leute kennen uns und kommen auf uns zu, auch wenn die Angelegenheit ausserhalb unseres Zuständigkeitsbereichs liegt. Zum Beispiel hat letzte Woche eine Besucherin ein totes Reh gemeldet. Dies haben wir dann an den Wildhüter weitergeleitet. Viele Anfragen können wir aber auch direkt beantworten, weil wir draussen vor Ort sind. Beispielsweise können wir zu gefällten Bäumen - ein häufiges Thema - Auskunft geben, da wir durch unsere Arbeit und Kontakte meistens wissen, wo und weshalb ein Baum gefällt wurde.

 

Welche Ausrüstung habt ihr immer dabei? 

Das Telefon, ein Feldstecher, den Ausweis, die Uniform, den Anzeige-Rapport, ein iPad, eine Apotheke, ein Sackmesser, etwas zu Trinken und zu Essen und manchmal das Fahrrad. In grösseren Gebieten sind wir mit dem Fahrrad unterwegs, in kleineren Gebieten wie der Reinacher Heide, sind wir zu Fuss unterwegs. 

Wie muss ich mir euren Arbeitsalltag vorstellen? 

Wir sind meist allein und bei Tageslicht unterwegs, ausser bei Spezialanlässen. Wir müssen einerseits gut mit uns selbst auskommen, anderseits aber auch gerne mit Menschen sprechen. Wir werden oft angesprochen, die Leute kennen uns, weil häufig immer wieder dieselben ins Gebiet kommen. Das kommt aber auf das Gebiet an. Am Sonntag zum Beispiel, habe ich das erste Mal mehr Fremdsprachen als Deutsch an einem Arbeitstag gesprochen. Es hatte viele Expats und Personen mit Migrationshintergrund.

Unsere Arbeitszeiten sind unregelmässig und richten sich nach den akuten Problemen. Das hat seine Vor- und Nachteile und wir können unsere 8h meist selbst einteilen. Ich persönlich versuche, alle Tageszeiten abzudecken. Deshalb gehe ich manchmal auch sehr früh am Morgen oder sehr spät am Abend ins Gebiet.

Wir haben viel und mit sehr verschiedenen Leuten zu tun: mit Jungen, mit Alten, mit Randständigen, mit Bundesräten, auch der Bundespräsident von Deutschland war letztens im Gebiet. Wir passen unsere Sprache dem Gegenüber an. Mit Fachleuten sprechen wir anders als mit einer Schulklasse oder mit Spaziergängerinnen und Spaziergängern. Wir kommunizieren auf verschiedenen Flughöhen und in verschiedenen Sprachen mit dem Ziel, dass unsere Botschaft ankommt. Google Translate ist da sehr hilfreich - diesen Sonntag zum Beispiel habe ich mit den Leuten Farsi gesprochen.

Besucherkontakt Kristoff Meller Kopie
Teamfoto mit Personen von allen drei Diensten Tobias Ryser Kopie

Du hast zu Beginn das Grillieren und Feuer machen in den Gebieten angesprochen. Wie problematisch ist dies ausserhalb des akuten Verbots? 

Die Gruppen, die für das Grillieren ins Gebiet kommen, tun dies in der Regel nicht dort, wo man nicht hindarf. Lieber suchen sie sich einen gemütlichen, praktischen Platz am Wasser oder im Wald mit Feuerstelle und Sitzbank, wo es keine grossen Auflagen gibt. Wenn sie sich nicht gerade absolut daneben benehmen, haben wir mit diesen Gruppen nur kleine Schnittflächen. Im Landschaftspark Wiese nahe bei Basel trifft man normalerweise auf rund 1000 Leute, die am Grillieren, Musik hören und Baden sind. Dort kontrollieren wir jeweils, ob die Leute das Feuer in ihrem eigenen Grill machen und nicht einfach auf dem Boden und bitten sie darum, das Feuer anschliessend sauber zu löschen und vorsichtig zu sein. Viele Leute dort kennen uns, oft sind es Menschen mit Migrationshintergrund. Manchmal winken sie sogar, wenn sie uns von weitem kommen sehen.

Das klingt ja eigentlich ganz friedlich! Mit welchen drei Verstössen habt ihr denn über alle Gebiete hinweg am häufigsten zu tun?

Ganz klar an erster Stelle steht Velofahren trotz Fahrverbot. An zweiter Stelle stehen Hunde, die nicht angeleint sind und an dritter Stelle folgt das Verlassen der Wege. Es gibt saisonale Veränderungen und Schwankungen, die drei Themen treffen wir aber auch im Winter an.

Wie reagieren die Leute, wenn ihr sie auf einen Verstoss aufmerksam macht? Halten sie sich danach an die Regeln?

In der Regel reagieren die Leute verständnisvoll. Oft wissen die Leute gar nicht, weshalb es eine Regel gibt. Deshalb ist es wichtig, bei einem Verstoss die Regel immer zu begründen, wenn die Besuchenden dafür offen sind. Das laufende Badeverbot beispielsweise muss zwingend erklärt werden! Dass man bei 40 Grad nicht baden gehen darf, versteht ansonsten niemand. Mit einer Begründung von Regeln stösst man meistens auf Verständnis. Die Uniform hilft dabei sicher. Es gibt aber auch Leute, die nicht auf unseren Hinweis reagieren und ausfällig werden. Es gab auch schon körperliche Übergriffe. 

Wie geht ihr damit um, wenn ihr ignoriert oder sogar bedroht werdet oder wenn eine Person mehrfach gegen eine Regel verstösst?

Deeskalations- und Konfliktmanagement gehören zum Ausbildungsprogramm. Wir haben auch Weiterbildungen in diesem Bereich. Es gab auch schon Fälle, bei welchen wir die Polizei gerufen haben, beispielsweise bei einem Hundebiss. Wenn sich eine Person mehrfach nicht an eine Regel hält, gibt es eine Anzeige. Heute beispielsweise war ich kurz davor, eine Person anzuzeigen aufgrund eines erneuten Verstosses gegen die Leinenpflicht. Ich habe sie gewarnt, dass es nächstes Mal auf eine Anzeige hinausläuft. Eigentlich war ich zu kulant und die Anzeige wäre schon heute gerechtfertigt gewesen. Ich hatte schon mehrere schwierige Gespräche mit dieser Person. Werde ich die Person erneut bei einem Verstoss antreffen, wird sie angezeigt.

Das braucht wohl eine dicke Haut? 

Ja, unser Beruf ist weniger romantisch, als sich manche vermutlich vorstellen. Es geht nicht nur darum, mit Leuten draussen zu sein und ihnen schöne Vögel zu zeigen (lacht). Der Anteil an Gesprächen, die auf eine Anzeige hinauslaufen, ist aber mit weniger als 1% sehr klein. Bei zwei Dritteln unserer Gespräche liegt kein Verstoss vor. Aber auch wenn ein Verstoss vorliegt, kann daraus ein sehr gutes Gespräch entstehen. Trotzdem ist genau dieser Aspekt für viele Ranger:innen, die ihre Arbeit aufgeben, ein Hauptgrund dafür. Man ist ständig damit beschäftigt, Menschen auf ihr Verhalten hinzuweisen, Regeln zu erklären und manchmal auch darüber zu diskutieren. Damit muss man umgehen können. Es gibt aber auch schöne Begegnungen!

Was macht also eine gute Ranger:in im Umgang mit Menschen aus? 

Vor allem Empathie und Geduld. Man muss verstehen können, warum sich jemand nicht an eine Regel hält. Gleichzeitig muss man aber auch Konflikte aushalten können. Wichtig ist natürlich auch, dass man gerne draussen unterwegs ist. Zu dogmatische Naturschützer:innen sind in diesem Beruf jedoch fehl am Platz - es braucht eine gewisse Portion Pragmatismus. Gerade vor Ort kann man aber sehr viel für den Naturschutz bewirken, weil man direkt eingreifen und Menschen sensibilisieren kann.

Ruhige Herbststimmung in der Reinacher Heide Kopie

Was macht ihr in der Zeit, die ihr nicht mit Gesprächen mit Besuchenden verbringt? 

Beim Naturschutzdienst Baselland haben wir einen Monitoring-Auftrag. In der Reinacher Heide nehmen wir zum Beispiel die Tagfalter entlang von Transekten auf und zählen die Individuen der Spitz-Orchis zweimal pro Saison. In manchen Gebieten haben wir ein spezifisches Auge auf gewisse Vogelarten. Und natürlich machen wir ein Besuchermonitoring zur Anzahl Leute, Anzahl und Art der Verstösse etc. Wir haben aber nicht viel Zeit, um daneben zusätzliche Beobachtungen zu machen. Mit dem Feldstecher eine halbe Stunde Vögel beobachten geht zum Beispiel höchstens an einem Regentag.

Gab es auch schon skurrile Situationen? 

Allerdings. Grundsätzlich weisst du nie, was an einem Arbeitstag geschieht, und es passieren immer wieder komische Sachen. Oft vergisst du sie dann wieder. Manchmal läuft man beispielweise in ein Fotoshooting hinein oder es gab auch schon ein Luftballon und ein Militärhelikopter, die gelandet sind. Eine Kollegin stiess einmal auf ein deponiertes Plastikskelett. Ein anderes Mal ging eine Person mit einer Ziege spazieren. Die Schutzverordnung regelt den Umgang mit Hunden, sagt aber nichts über Ziegen. Die Ziege war zwar angeleint, befand sich aber abseits des Weges. Wir suchten offen das Gespräch und wiesen darauf hin, dass ein Beweidungsverbot gilt und die Wege nicht verlassen werden dürfen. Einmal kam es vor, dass eine Person 7 Laufenten ausgesetzt hat, die mir dann auf Schritt und Tritt gefolgt sind. Das Einfangen der Tiere mit dem Wildhüter war dafür umso einfacher (lacht).

Was nimmst du aus deiner Arbeit als Ranger mit und was möchtest du den Besuchenden weitergeben? 

Viele Menschen gehen in die Natur und haben das Gefühl, dort ihre grosse Freiheit zu erleben. Dadurch kommt man immer wieder zur Frage, wo diese Freiheit endet. Genau diese Diskussionen können sehr spannend sein. Es wäre aber sicher einfacher, wenn alle etwas mehr Rücksicht nehmen würden - auf andere Menschen und auf die Natur.

Gesamtlösungen für Kantone und Gemeinden

Die Hintermann & Weber AG entwickelt und betreibt im Auftrag von Kantonen und Gemeinden Rangerdienste in Schutz- und Erholungsgebieten. Als Dienstleisterin übernehmen wir die organisatorische und fachliche Leitung der Rangerdienste und koordinieren die Zusammenarbeit der Beteiligten. Wir verbinden über 40 Jahre naturschutzfachliches Wissen mit Erfahrung im Projektmanagement und bieten eine Gesamtlösung für unsere Kundinnen und Kunden, teilweise arbeiten wir mit externen Kommunikationsbüros zusammen. Unsere ausgebildeten Rangerinnen und Ranger sind die Ansprechpersonen in den Gebieten, Sensibilisieren die Erholungssuchenden, Beaufsichtigen die Schutzgebiete und vernetzen die verschiedenen Nutzer- und Interessensgruppen. Auf Basis der erhobenen Daten entwickeln wir tragfähige Lösungen, die den Schutz der wertvollen Naturgebiete mit den Bedürfnissen der Bevölkerung verbinden.