Ökologische Strukturen im Offenland – kleine Elemente, grosse Wirkung
Warum Strukturen wichtig sind
Hecken, Feldgehölze, Weiher oder aufgewertete Waldränder sind kleine, aber entscheidende Elemente in unserer Landschaft. Sie bieten Pflanzen, Insekten, Reptilien, Amphibien, Vögeln und Kleinsäugern Lebensraum, Nahrung und Rückzugsorte. In der intensiv genutzten Agrarlandschaft des Schweizer Mittellandes sind solche Strukturen jedoch selten geworden. Dies hat spürbare Folgen für die Biodiversität.
Die Untersuchung im Mittelland
Eine aktuelle Analyse aus den Kantonen Bern und Solothurn zeigt: Je mehr ökologische Strukturen in einer Landschaft vorkommen, desto höher ist die Artenvielfalt. Dabei wurden Leit- und Zielarten der Gruppen Gefässpflanzen, Brutvögel und Tagfalter untersucht, für welche die Landwirtschaft eine besondere Verantwortung trägt (UZL-Arten). Die Studie zeigt, dass alle drei Artengruppen von ökologischen Strukturen im Offenland profitieren. Bei Gefässpflanzen steigt die Anzahl der UZL-Arten mit zunehmendem Anteil an Fläche mit ökologischen Strukturen pro Quadratkilometer. Dabei ist auch bei einem Flächenanteil von 10% noch keine Sättigung dieses positiven Zusammenhangs erkennbar (vgl. Abbildung 2). Brutvögel nutzen Gehölze und Waldränder als Brutplätze und Singwarten. Ihr Artenreichtum nimmt bis zu einem Strukturanteil von rund 5 % deutlich zu (vgl. Abbildung 2).


Kombination mit Biodiversitätsförderflächen bringt den grössten Nutzen
Tagfalter reagieren besonders stark, wenn ökologische Strukturen mit extensiv bewirtschafteten Biodiversitätsförderflächen (BFF2) kombiniert werden. Der positive Effekt ökologischer Strukturen auf die Anzahl UZL-Tagfalterarten verstärkt sich mit zunehmendem Anteil an BFF2 im Offenland (vgl. Abbildung 3). Extensiv bewirtschaftete Lebensräume vergrössern und vernetzen Lebensräume und verstärken damit die Wirkung der Strukturen. Die Studie zeigt, dass ökologische Strukturen allein wertvoll sind, ihre Wirkung aber durch qualitativ hochwertige Biodiversitätsförderflächen noch verstärkt wird.
Potential ist im Mittelland noch nicht ausgeschöpft
Die Studie zeigt überraschend deutlich, dass der Anteil ökologischer Strukturen im Offenland positiv mit der Vielfalt der UZL-Arten zusammenhängt. Pflanzen spielen dabei eine Schlüsselrolle, da sie selbst wieder Lebensräume für zahlreiche Tierarten bereitstellen. Der Zusammenhang könnte sogar noch deutlicher werden, wenn kleinräumige Strukturen wie Krautsäume, Gräben, Lesestein- und Asthaufen in der Analyse ebenfalls berücksichtigt würden. Besonders wirksam ist die Kombination mit extensiv bewirtschafteten Flächen. Das Potenzial wird heute im Mittelland jedoch kaum ausgeschöpft: Viele Gebiete sind strukturarm, obwohl Kleinstrukturen wenig Platz beanspruchen und vergleichsweise einfach umzusetzen wären. Auch auf bestehenden Biodiversitätsförderflächen ist das Potential noch nicht ausgeschöpft. Damit Landwirt:innen solche Massnahmen ergreifen, braucht es attraktivere Förderungen und angemessene Entschädigungen.











