Im Winter 2024/25 hatten wir die Gelegenheit, Zwergschnepfen auf zwei vernässten Äckern im Leimental an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich genauer zu beobachten. Dabei kamen zwei Methoden zum Einsatz, die sich ideal ergänzten: eine Wärmebildkamera und mehrere Foto- beziehungsweise Videofallen. Die Kombination lieferte deutlich mehr Erkenntnisse, als mit einer einzelnen Methode möglich gewesen wäre.

Bildschirmfoto 2026 09 17 um 11 03 15

Die Aufnahmen zeigten, dass die Zwergschnepfen den ganzen Winter über im Gebiet anwesend waren. Auf einer Fläche von lediglich rund 1,8 Hektaren hielten sich zeitweise bis zu zwölf Individuen gleichzeitig auf. Selbst während längerer Kälteperioden mit Schnee und gefrorenem Boden haben sie das Gebiet nicht verlassen. Auffällig war ihre ausgeprägte Nachtaktivität. Den Tag verharrten sie in aller Regel bewegungslos am selben Ort. Erst nach Einbruch der Dunkelheit suchten in feuchten, schlammigen Bereichen nach Nahrung. Dabei bewegten sie sich deutlich flinker und aktiver, als es Beobachtungen vom Tag vermuten lassen würden. Regelmässig konnten zudem kurze Hüpfbewegungen sowie Lautäusserungen zwischen mehreren mehreren Individuen dokumentiert werden. Das von Tagesbeobachtungen bekannte Wippen war nachts dagegen kaum zu sehen.

Einige Videos zum nächtlichen Verhalten sind auf YouTube zu sehen: https://www.youtube.com/playlist?list=PLqs--K3l44RX8hlkcwrOf7bhdRgOjESOO

Mindestens ebenso spannend waren die Erkenntnisse zu den Ruheplätzen. Tagsüber hielten sich die Zwergschnepfen bevorzugt in besonders deckungsreichen Bereichen mit feuchten Bodenstellen auf. Dies sind auch die Stellen, die bei längerem Frost am längsten eisfrei bleiben. Ohne Wärmebildkamera wären sie hier kaum zu entdecken gewesen.

Die Untersuchung zeigt, welches Potenzial moderne Technologien für die Erforschung heimlicher Arten besitzen. Während die Wärmebildkamera half, die Vögel überhaupt erst zu finden und ihre Anwesenheit einschliesslich  Individuenzahlen zu dokumentieren, lieferten die Fotofallen die entscheidenden Details zu ihrem Verhalten. Erst die Kombination beider Methoden ermöglichte einen ungewöhnlich umfassenden Einblick in das Winterleben der Zwergschnepfe und führte zu einem erheblichen Informationsgewinn über eine Art, die sich der Beobachtung normalerweise weitgehend entzieht. Zudem wurde deutlich, wie wichtig kleine Feuchtgebiete im Landwirtschaftsland für seltene Arten sein können. Entscheidend war eine Kombination aus offenen, schlammigen Bodenflächen, flachen Wasserstellen und dichter Vegetation als Deckung. Solche Lebensräume sind vielerorts selten geworden und stehen weiterhin unter Druck.

 

Publikation

Link zum Artikel Martinez N. & Roth T. (2026): Einblicke in das Verhalten von Zwergschnepfen im Winterlebensraum dank Wärmebildkamera und Fotofallen. Ornithologischer Beobachter 123: 46–61.

 

Videos

Link zu Youtube