Artenförderungsprojekt zur Glänzenden Glattschnecke
Eine wahre Seltenheit
Die Glänzende Glattschnecke (Cochlicopa nitens) ist eine wahre Rarität. Sie ist so selten, dass sie fast schon mit den legendären Schneckenkönigen - Schnecken mit linksgewundenem Gehäuse - mithalten kann. Die Kenntnisse über die Art sind weitgehend unbekannt.
Am Dittligsee (BE) ist das Vorkommen der Art seit längerem bekannt und gut dokumentiert. Dort hat die Abteilung Naturförderung aufgrund der brennenden Diskussion über eine Absenkung des Wasserspiegels zugunsten der Bewirtschaftung eine umfassende Untersuchungen der seltenen Schneckenart angestossen.
Vom Dittligsee zu weiteren Standorten
In einem eigens entwickelten Monitoring wurden am Populationsdichten und Habitateigenschaften erhoben und in Zusammenhang gebracht. Um aussagekräftige Schlussfolgerungen zu erhalten, wurden neben dem Dittligsee in Zusammenarbeit mit dem Kanton Schaffhausen und dem Verein Grande Cariçaie alle in der Schweiz bekannten Standorte untersucht.
Wer sucht, der findet
Die Zahlen bestätigen die Besonderheit der seltenen Schnecke: Ihre Vorkommen beschränken sich auf Standorte in nächster Nähe zum Grundwasserpegel, wo sie eine permanent durchfeuchtete Moosschicht vor Austrocknung schützt. Andererseits besteht das Risiko von längeren Überschwemmungen, was insbesondere im Winter fatal sein kann, wenn die Tiere im Boden vergraben sind. Die Art bevorzugt deshalb Mikrohabitate, die ein vertikales Verschieben der Schnecke ermöglicht. Besonders beliebt sind die Bulten der Steifen Segge (Carex elata). Die detaillierten Ergebnisse wurden in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert und somit anderen Weichtierforscherinnen und Artenschützern verfügbar gemacht.
Aufgrund dieser Erkenntnisse wurden im Kanton Bern zwei weitere Standorte der Glänzenden Glattschnecke gefunden (Thunersee und Fanel). Auch am Neuenburgersee gelangen zahlreiche weitere Entdeckungen. Diese befinden sich alle in Naturschutzgebieten.
Die seltene Art steht weiterhin unter Druck
Ist die Glänzende Glattschnecke also weit weniger gefährdet als anfänglich befürchtet? Vermutlich nicht: Die Lebensräume und Populationen stehen insbesondere durch den fortschreitenden Klimawandel stark unter Druck. An den beiden bekannten Standorten am Rhein scheint die Art z.B. aufgrund der extremen Frühjahrstrockenheit 2025 kurz vor dem Aussterben. Am Dittligsee, wo das Projekt ursprünglich angestossen wurde, wurde die Bewirtschaftung inzwischen an die Bedürfnisse der seltenen Art angepasst. So besteht die Hoffnung, dass sich die Population auch mit dem Klimawandel halten kann.
